bochum macht spaß
HENRY HEY | DER MANN, DER DAVID BOWIE ZURÜCK NACH BOCHUM BRINGT
Wir schreiben das Jahr 1983. Es ist der 15. Juni des Jahres und das Ruhrlandstadion – so steht es auf der im Vorverkauf 30 DM und an der Abendkasse 35 DM teuren Eintrittskarte – in Bochum erwartet hohen Besuch. Kein Geringerer als der „Thin White Duke“ der Rockmusik, nämlich David Bowie, hat sich in Rahmen seiner »Serious Moonlight«-Tour angekündigt, und natürlich ist die Hütte ausverkauft. Beinahe genau 43 Jahre später kehrt David Bowie nun zurück auf eine Bochumer Bühne, nämlich die in der Jahrhunderthalle im Rahmen der Ruhrtriennale 2026. Dort feiert am 20. August das Musical »Rebel Rebel« Premiere, benannt nach dem letzten Song aus der Glam-Rock-Phase Bowies, und erinnert an den im Januar 2016 verstorbenen, britischen Ausnahmekünstler und -musiker. David Wienand hatte für Bochum macht Spaß die Gelegenheit, mit Henry Hey, dem musikalischen Direktor des Musicals »Rebel Rebel« – der bereits dessen Musiktheaterstück »Lazarus« verantwortete und auf Bowies Album »The Next Day« mitgewirkt hat – ein ausführliches Gespräch über das Ruhr-Triennale-Stück und natürlich auch die Zusammenarbeit mit David Bowie zu führen.
Mr. Hey, wussten Sie eigentlich, dass David Bowie schon einmal livehaftig in Bochum zu Gast war, nämlich während seiner »Serious Moonlight«-Tour im Jahre 1983?
Von diesem speziellen Auftritt ist mir natürlich nichts bekannt, aber mir ist schon bewusst, dass David Bowie auf der ganzen Welt aufgetreten ist und die »Serious Moonlight«-Tour viele Stopps hatte.
Bereits 1974 veröffentlichte David Bowie sein dystopisches Album »Diamond Dogs« mit dem Song „Rebel Rebel“ darauf. Wissen Sie noch, wo Sie waren oder was Sie getan haben, als Sie das erste Mal diesen Song hörten?
Der Song wurde bestimmt im Radio gespielt, als ich aufwuchs. Ich kannte schon eine Reihe von Bowie-Songs als Heranwachsender, aber mir war der Umfang seines musikalischen Kataloges damals natürlich noch nicht bewusst.
Was hat Sie und den Intendanten Ivo van Hove dazu gebracht, ein Musical rund um den Song „Rebel Rebel“ für die Ruhrtriennale 2026 zu kreieren?
Das Musical dreht sich gar nicht nur um diesen einen Bowie-Song. Lediglich der Name des Musicals ist »Rebel Rebel«, aber es wird darin noch ganz viele weitere Stücke von David Bowie zu hören geben.
Worum wird es dann in dem Musical inhaltlich gehen?
Da möchte ich eigentlich nichts verraten. Wir wollen die Entdeckungen ganz allein dem Publikum überlassen. Uns geht es ja schließlich darum, Kunst zu kreieren, und die lässt sich nicht kurz zusammenfassen. David Bowie selbst ging es immer darum, die Menschen zum Sehen und Hören seiner Kunst zu ermutigen und ihre eigenen Eindrücke und Gefühle dabei zuzulassen. Das war ja bereits bei »Lazarus« der Fall und soll auch bei »Rebel Rebel« erneut so sein. Wenn du das gesamte Lebenswerk und Schaffen von David Bowie betrachtest, dann stößt du unweigerlich auf ganz viele unterschiedliche Songs und Charaktere und Menschen in verschiedenen Rollen.
Sie haben bereits angedeutet, dass es weitere Songs aus David Bowies Repertoire im Musical zu hören geben wird. Verraten Sie, auf welche sich das Publikum wird freuen dürfen?
Auch hierzu möchte ich wenig sagen, außer dass es sowohl bekannte als auch weniger oft gehörte Stücke sein werden, die auf diese Weise wieder neu entdeckt werden können.
Sie wurden bereits von David Bowie noch zu dessen Lebzeiten persönlich als musikalischer Direktor für sein Musical »Lazarus« auserkoren. War es dann für Sie nur konsequent, denselben Job auch bei »Rebel Rebel« zu übernehmen?
Der Ruhr-Triennale-Intendant Ivo van Hove und ich haben eine lange Arbeitsbeziehung am Theater. Dreimal haben wir »Lazarus« in New York, London und Amsterdam aufgeführt. Im letzten Jahr haben wir zusammen »I Did It My Way« für die Ruhrtriennale inszeniert. Wir haben bei der Arbeit eine ähnliche Herangehensweise und so lag es nahe, auch dieses Jahr wieder zusammenzuarbeiten. Und natürlich hatten wir beide die seltene Gelegenheit, mit David Bowie an einem Theaterstück zu arbeiten, und haben einen Blick darauf, wie David Bowie an die Sache herangegangen wäre und kennen seine Visionen. Natürlich ist »Rebel Rebel« ein gänzlich anderes Stück als »Lazarus«, insofern bot es uns neue und aufregende Herausforderungen.
Sie haben auch als Musiker an David Bowies Album »The Next Day« mitgewirkt. Wie haben Sie den Menschen und Musiker David Bowie erlebt?
Für David stand immer die Qualität seiner Arbeit an erster Stelle. Es mag einfach sein, auf Davids Schaffenswerk zu schauen und es auf den großen kommerziellen Erfolg zu reduzieren. Ich würde allerdings behaupten, Davids Erfolg ist das Resultat seiner Integrität und seiner tiefen Fokussiertheit darauf, seine Arbeit besonders zu machen und nicht andere damit zufriedenzustellen. Alle, die mit ihm arbeiten durften, konnten seine wunderbare Art erleben, aus jedem das Beste für die Kunst herauszuholen. Er war ein liebenswerter, sanfter, hoch intelligenter und auch humorvoller Mensch.
Welche Vorhaben stehen für Sie als Nächstes an, wenn die »Rebel Rebel«-Shows vorbei sind?
Ich werde eigene Musik schreiben für meine Band Forq. Und wie immer werde ich mit einer ganzen Reihe von Musikern, die mit David Bowie Musik machen durften, wie etwa Gail Ann Dorsey, Mark Plati oder Gerry Leonard, in jedem Monat Januar in New York zusammenkommen, wo wir David mit einer Reihe von Konzerten ehren.
Die Termine des Musicals »Rebel Rebel« und alle weiteren Aufführungen der Ruhrtriennale 2026 finden Sie unter: www.ruhrtriennale.de